Beobachterlehrgang: Perspektivwechsel

Die Schiedsrichter-Beobachter im Bezirk Braunschweig haben sich beim jährlichen Lehrgang zu Saisonbeginn in Goslar-Lochtum auf die neue Spielzeit eingestimmt. Mit 30 Teilnehmern war die Gaststätte „Charisma“ beim TSV Lochtum gut gefüllt. „Es gab kaum Absagen“, freute sich Jens Goldmann, Beobachteransetzer im Bezirksschiedsrichterausschuss (BSA), bei der Eröffnung. Er konnte sechs neue Beobachter begrüßen: Korbinian Becker (Kreis Gifhorn), Hannes Göldenitz (Kreis Braunschweig), Lukas Löhr (Kreis Nordharz), Carim Moussa (Kreis Northeim-Einbeck) und Benjamin Pätschke (Kreis Braunschweig) unterstützen fortan als Beobachter. Zudem wird Adrian Hintze (Kreis Braunschweig) neben seiner Schiedsrichtertätigkeit in der Landesliga bei Gelegenheit in der Bezirksliga Braunschweig zum Einsatz kommen. Neben einem Rückblick auf die vergangene Saison und einem Ausblick auf die neue Spielzeit war ein Schwerpunkt die Nachbesprechung und der Beobachtungsbogen aus Sicht eines Schiedsrichters.

 

Nachbesprechung und Beobachtungsbogen aus Sicht eines Schiedsrichters

Dazu hatte der BSA Adrian Hintze, Landesliga-Schiedsrichter im Bezirk, eingeladen. In Form eines Interviews mit Jens Goldmann beantwortete er Fragen und lud so zur Perspektivübernahme ein. „Ich lasse erst einmal den Beobachter nach dem Spiel erzählen“, berichtete Adrian und ergänzte, dass er inzwischen gelassen in Nachbesprechungen geht. „Dann höre ich zu und entscheide, was ich für künftige Spiele mitnehme.“ Inzwischen kenne er den Bogen auch aus diversen Spielklassen auf Bezirks-, Verbands- und DFB-Ebene, sodass er seine Leistung zwar nicht punktgenau, jedoch hinreichend einschätzen könne. Diese Erfahrung war jedoch nicht immer da. Auf die Frage, ob er noch wisse, wie er sich bei seinem ersten Spiel fühlte, antwortete Adrian mit: „Ja“, und fuhr fort: „Ich war absolut aufgeregt.“

Zudem liefen die ersten Beobachtungen anders als erwartet. „Ich kannte aus dem Kreis eher Coachings, bei denen die Entwicklung stärker im Vordergrund stand – und das von der Assistententätigkeit. Doch als Assistent stand ich nie so im Fokus der Beobachtung.“ Im ersten Jahr fielen die Noten auch eher durchwachsen aus. Im Rückblick war das jedoch wertvoll: „Ich konnte aus dem Feedback zu meinen Fehlern letztendlich lernen.“

Adrian gab an, dass es ihn motiviert, wenn ein Spiel gut gelaufen ist und der Beobachter dies auch anerkennt. Gleichzeitig sei es sehr wichtig, jungen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern auch Potenziale aufzuzeigen. „Frustrierend ist es, wenn die Nachbesprechung knapp ausfällt, auch wenn alles im grünen Bereich war“ Manchmal sei die Perspektive auf dem Platz eine andere, und die Spielleitung herausfordernder. Zudem könne es auch in solchen Spielen Tipps und Tricks geben, was man besser machen könne. „Gerade diejenigen, die noch nicht so lange in einer Spielklasse unterwegs sind, wollen auch viel dazulernen.“

Die Teilnehmer diskutierten dann, wie auch junge Assistentinnen und Assistenten in die Nachbesprechung eingebunden werden können und gleichzeitig herausfinden, wie weit sie in der Entwicklung sind. „Die Frage, das wievielte Spiel es ist, kann Türen öffnen und gibt zudem Aufschluss darüber, was ich erwarten kann, und was angemessen ist“, erläuterte Jens Goldmann.

 

Neues Beobachtungssystem hat sich etabliert, entwickelt sich aber weiter

Zuvor stand ein Rück- und Ausblick auf die Beobachtungen an. Mit 246 lag die Anzahl der Beobachtungen im Bezirk etwas höher als im vergangenen Jahr. Die Entwicklung der Durchschnittsnoten in den beiden Spielklassen zeigt, dass die Beobachter das System in der Breite adäquat anwenden und die Beobachtungen Leistungsunterschiede angemessen abbilden – auch wenn die Entscheidung um den Oberligaaufstieg vergangene Saison sehr knapp war. Das System entwickelt sich zudem weiter. In einem ausführlichen Handbuch werden Anweisungen präzisiert.

Thematisiert wurde, wie grundsätzlich mit besonderen Fallkonstellationen umzugehen ist: Wie wird ein nicht geahndetes DOGSO-Vergehen – umgangssprachlich als „Notbremse“ bekannt – bewertet, wenn gar kein Pfiff erfolgt? Wie, wenn es statt einer roten Karte nur eine gelbe gab? Zu beachten ist dabei – wie übrigens auch bei den Regeländerungen –, dass vieles im Profifußball, wo im Zweifel auch Zeitlupen zu Rate gezogen werden können, im Amateurfußball nicht gleichermaßen relevant ist.

Entsprechend übersetzte Jens Goldmann an einigen Stellen: „Da müsst ihr bei den Abwertungen unterscheiden, ob ein Fehler für alle auf dem Sportplatz erkennbar war oder nur für euch, weil ihr einen äußerst günstigen Blickwinkel hattet.“

Neben Regeländerungen – etwa der neuen 8-Sekunden-Regel – erwartet die Beobachter eine weitere Neuerung: Auch ältere Schiedsrichterkollegen werden künftig beobachtet. Wer die entsprechende Norm bei der Leistungsprüfung abgelegt hat, wird unabhängig vom Alter beobachtet, um auch dieser Gruppe eine Perspektive zu bieten.

 

Veranstaltungslocation punktet doppelt

Ein Dank gilt dem TSV Lochtum und dem Team der Gaststätte „Charisma“. Ursprünglich war die Veranstaltung in Flachstöckheim geplant, musste dann aber kurzfristig verlegt werden. Mit qualitativ gutem Essen sowie Getränken zu fairen Preisen konnte die Gaststätte bei den Beobachtern doppelt punkten. Ab sofort können das dann auch die Schiedsrichter bei Spielen unter Beobachtung.


Autor: Hilko Paulsen