Bezirk Braunschweig
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Leistungslehrgang für Bezirksliga-Schiedsrichter

Die Vorbereitungen für die zweite und entscheidende Hälfte der Saison sind sowohl bei den Vereinen als auch bei den Schiedsrichtern in vollem Gange und somit rundet die Einladung zum Leistungslehrgang in Barsinghausen diesen Prozess optimal ab.

Trotz des anhaltenden kalten Wetters der letzten Wochen trafen sich am Freitag alle Schiedsrichter pünktlich um 16.45 Uhr im Raum Hannover zur Begrüßung durch die Referenten Tino Wenkel (Hannover) und Benno Seibel (Göttingen), die sich von Anfang an gut vorbereitet und allen Fragen offen gegenüber präsentierten

Gleich zu Anfang - nachdem sich alle Teilnehmer vorgestellt hatten - wurde eines der dynamischsten Themen im Fußball thematisiert: das Abseits. Gerade für die Sportkameraden dieses Lehrganges ein immer aktuelles Thema, da Einsätze als Assistenten bis hin zur Oberliga keine Seltenheit sind. Nachdem die regeltechnischen Grundlagen kurz genannt

wurden, zeigte Benno anhand von verschiedenen praktischen Szenen zwei Schwerpunkte auf: zum Einen die Schwierigkeit zu beurteilen, wie tief ein Spieler im Feld steht und die daraus resultierende Beurteilung, ob ein Spieler den Torwart behindert oder nicht. Zum Anderen die Notwendigkeit des vorgeschriebenen „wait-and-see-Prinzips“, d.h. die Differenzierung zwischen aktiv und passiv im Abseits stehenden Spielern.

Im Anschluss an das Abendessen wurden die Themen für die Gruppenarbeit verteilt, die bis zum nächsten Tag ausgearbeitet werden sollten. Angesichts der zunehmenden Gewaltbereitschaft - auch in den unteren Ligen – lag ein Fokus auf dem Gebiet der Gewaltprävention durch das SR-Gespann. Weiterhin wurden Präsentationen zur sinnvollen Vorteilsanwendung, zum Verhalten in kritischen Situationen und zu hilfreichen Qualifikationen des SRs neben seiner Regelkenntnis erstellt. Die zugeteilten Themen wurden mit großem Engagement bearbeitet, ohne dabei den Blick fürs Wesentliche zu verlieren.

Immer für ein Lächeln zu haben: Lehrgangsleiter Tino Wenkel

Frisch und munter ging es am Samstagmorgen nach dem Frühstück um 9Uhr mit der nächsten Lehreinheit weiter, die sich mit Schwerpunkten bei der Beantwortung von Regelfragen beschäftigte. Tino erklärte dabei ganz gezielt den Sinn und Geist des Regelwerkes, um grade auf umfangreichere Regelfragen vorbereitet zu sein. Hier ging es im Speziellen um Fakten, wie z.B. „aus einem Vorteil kann kein Nachteil entstehen“ oder „bei gleichzeitigen Vergehen unterschiedlicher Mannschaften ist immer das Erste für die Spielstrafe relevant“. Diese fundamentalen Grundsätze wurden abschließend auch an einigen Regelfragen nachvollzogen. Einige dieser Fragen wurden dann auch in der späteren Theorieprüfung in abgewandelter Form abgefragt, was den beiden Lehrgangsleitern einen deutlichen Sympathiebonus bescherte.

Lehrgangsleiter Benno Seibel ist sehr zufrieden mit dem gezeigten Engagement.

Nach Beendigung der Lehreinheit stand -aufgrund von Temperaturen von minus 8 Grad und Schneewitterung- der unangenehmste Teil des Lehrgangs auf dem Plan, nämlich der Coopertest. Mit Durchhaltenvermögen, Willenskraft und großer Motivation der Kameraden gelangte man trotz der widrigen Bedingungen zu guten und sehr guten Ergebnissen.
Nachdem sich alle wieder aufgewärmt und gestärkt hatten, wurden die Ergebnisse der Gruppenarbeit vorgestellt. Die Art der Präsentation war erfrischend abwechslungsreich, denn neben Mindmaps und Videos wurden sogar vor den Augen der Zuhörer Regelübertretungen dargeboten und somit war garantiert, dass jeder bei allen Themen etwas dazulernen konnte. 

Direkt vor den obligatorischen 30 Regelfragen referierte Benno über die Bedeutung der persönlichen Strafen, im Speziellen über zwingende persönliche Strafen, Sinn und Zweck von persönlichen Strafen, aber auch über ihre Vermeidung. Ebenfalls ein Diskussionsschwerpunkt war eine Fragestellung, die der Schiedsrichter im Spiel oft zu beantworten hat: „War das Vergehen als solches schwerwiegend genug für eine persönliche Strafe oder ist es gar die Anzahl der Regelübertretungen?“. Sowohl theoretisch als auch anhand von zahlreichen Videoszenen wurde intensiv die Differenzierung zwischen fahrlässigen, rücksichtlosen und brutalen/gesundheits-gefährdenden Vergehen erläutert, denn der richtige Einsatz persönlicher Strafen geht einher mit einer zufriedenstellenden Spielleitung.
Im Anschluss an die theoretische Überprüfung folgte ein weiteres Highlight des Lehrgangs.

Soziale Netzwerke: Alle Gruppen zeigten sich hochgradig interessiert an dem aktuellen Thema.

Die Teilnehmer wurden in vier Gruppen á fünf Personen eingeteilt und die Aufgabe jeder Gruppe war es nun, nach kurzer Vorbereitungszeit ihr eigenes, ihnen zugeteiltes, kniffliges Szenario zu simulieren und zu lösen. Die Themen waren dabei keineswegs alltagsfremd gewählt, im Einzelnen ging es darum, dass:
- beide Mannschaften die gleiche Trikotfarbe mithaben,
- nach einem hitzigen Spiel und einer knappen Heimniederlage das Schiedsrichterteam zum Essen eingeladen werden und dort kritisiert werden
- das SR-Team und die Gastmannschaft bei der Anreise mitgeteilt bekommen, dass der Hauptplatz kurzfristig von der Heimmannschaft gesperrt wurde und diese nun auf dem Ersatzplatz spielen möchte.
- während des Spiels rassistische Äußerungen seitens der Zuschauer auf das Feld gegen einen ausländischen Spieler gerufen werden. 
Dabei zeigte sich bei einigen Sportkameraden großes, künstlerisches Talent. Die Freude an der Ausarbeitung war bei der Präsentation zum Einen bei der kreativen Darstellung, als auch an der anschließenden, regen Diskussion sichtbar.
Am Ende dieses erfolgreichen Tages konnten die Teilnehmer noch wahlweise in die Sporthalle zum Fußball spielen oder wahlweise in die Sauna zum entspannen gehen, bevor man sich abends in der Cafeteria wieder eingefunden hatte, um sich zu unterhalten, Billard oder Tischkicker zu spielen und um Mitternacht den Geburtstag eines Kameraden zu feiern.
Sichtlich erschöpft ging der Großteil dann auch zeitnah schlafen, während der übrige Teil große Freude am Skat spielen hatte.

Die beiden Lehrgangsleiter hören jedem Vortrag aufmerksam zu.

Auch der Sonntag sollte keineswegs ungenutzt bleiben: bei der Anreise des Experten für Öffentlichkeitsarbeit Marco Haase fragten sich einige zunächst, welchen signifikanten Bezug man als Bezirksliga-SR zu Medien und Öffentlichkeit hätte. Doch kaum hatte Marco die ersten Worte verloren, so war allen klar, dass man als SR auch in solchen Ligen durchaus im Fokus der Gesellschaft steht, nämlich in nicht zu vernachlässigender Weise durch seinen Auftritt in sozialen Netzwerken. Dass nur drei der anwesenden Sportkameraden nicht Mitglied bei Facebook sind, zeigte die Aktualität und Brisanz. Somit war der Rahmen für seinen Vortrag zum Thema „Möglichkeiten und Gefahren für Schiedsrichter in sozialen Netzwerken“ schnell errichtet. Mithilfe der fleißigen Interaktion aller Lehrgangsteilnehmer wurden innerhalb von 15 Minuten Pro- und Contra-Argumente gesammelt und vorgetragen.
In Zusammenhang mit der anschließenden, intensiven Diskussion wurde das Thema professionell beleuchtet. Dabei wurde auf der einen Seite festgestellt, dass ein entsprechender Auftritt in sozialen Netzwerken der Schiedsrichterakquise, als auch dem Regelverständnis für „Unwissende“ dienlich sein kann. Die Gefahren andererseits sind nicht zu unterschätzen, denn aufgrund vielfältiger Verarbeitungssoftware, die grade bei Facebook im Einsatz ist, gelangt man fast immer, trotz sorgfältiger Vorsichtmaßnahmen, zu dem gewünschten Profil und hier sollte man auch tunlichst aufpassen, welche sensiblen Daten (Lohn, Religion, Hobbys, …) bzw. Bilder man freigibt. Alles in allem war auch diese Einheit mehr als nur lehrreich.
Gegen Mittag neigte sich der Lehrgang zum Abschluss und es war Zeit ein Fazit zu ziehen, dass sowohl seitens der Lehrgangsleiter, als auch der Teilnehmer über alle Maßen hinweg positiv ausfiel. Gab es anfangs doch noch den Einen oder Anderen, der nicht recht wusste auf welche Charaktere er beim Lehrgang treffen würde, so konnte man bei der Verabschiedung eine einheitliche Gruppe ausmachen, in der jeder den anderen zum Lachen bringen konnte und in der sich alle auf ein gemeinsames Wiedersehen freuten.
Ein großer Dank geht an dieser Stelle auch noch mal an alle Verantwortlichen (insbesondere an alle Mitarbeiter der Küche für das gute Essen) aus dem Sporthotel. 
Abschließend noch ein Wort in eigener Sache: alle Fotos wurden mit freundlicher Genehmigung von Marco Haase zur Verfügung gestellt.

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